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Dominanzgeschwafel

The survival of the fittest. Das Überleben des Stärkeren. Willkommen im Missverständnis. Fittest ist nicht strongest und demnach auch nicht der Stärkste. Es geht hier vielmehr um den am besten angepassten. Und in zweiter Linie, wenn alles Physische sich nicht mehr groß etwas nimmt, ist das der Schlauste. Soziale Intelligenz im Sinne einer Art. Des Wolfsrudels Chef ist nicht der große mit den vielen Megamuskeln, sondern der, der weiß, was seine Familie wie und wann braucht. Die Aufgabe des „Schlägertypen“ überlässt der Boss gerne dem, der dafür gut geeignet ist: Ein Wolf mit hohem Aggressionspotential, der das Rudel mit Leib und Seele verteidigt.
Demnach muss sich auch der Mensch keine Sorgen machen, dass er für seinen Hund der „Stärkere“ sein muss. Disziplin hat nichts mit Härte zu tun. Nichts wird so oft missinterpretiert wie die Rolle des „dominanten“ Chefs. Und mit dieser menschlichen Fehlvorstellung kommen die menschlichen „Hundegesetze“, die für den Hund absolut keinen Sinn machen...
Mal ein Beispiel: Der Hund darf nicht im Bett schlafen, das „gehört“ dem menschlichen Rudelchef. Guckt man sich ein Hunderudel an, so gibt es kein „Chefprivileg“ was einen Schlafplatz betrifft. „Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss sehn was übrig bleibt.“ Ist Samus Lieblingsplatz vom dicken Kenai besetzt, dann muss er sich eben woanders hinlegen. Oder er quetscht sich daneben. Wenn er es geschickt anstellt, dann legt er sich so daneben, dass der „rangniedrigere Hund“ irgendwann Bammel bekommt und freiwillig geht. Aber es gibt keinen „Platzverbot“ und auch kein „Wegscheuchen“.
Was anderes ist, wenn z.B. Samu seine Ruhe haben will und jemand zu ihm kommt, der sich gerade einen Platz ausgesucht hat, um dort alleine zu schlafen. Dann darf der auch gerne verjagt werden.
Für den Menschen übertragen bedeutet das, der Hund darf gerne ins Bett, aber er kann genauso gut auch jederzeit rausgeschickt werden. Das verändert im Hundekopf den Rang um keinen Deut.
Hunde sind durchaus untereinander mal…wenig sanft. Kenai kann im Eifer des Gefechts mit seinen dreißig Kilo mal in den zehn Kilo weniger schweren Samu rammen. Beim ersten Mal passiert meist gar nichts. Manchmal nimmt er es gar als Spielaufforderung an. Es ist also durchaus erlaubt, dass der rangniedrigere Hund den Ranghöheren zum Spielen auffordert. Dieser kann sich dafür oder dagegen entscheiden. Trotzdem bleibt er der Boss.
Dagegen hört man oft, ein Hund sei schlecht erzogen, wenn er derjenige ist, der seinen Menschen zum Spiel auffordert; was schlicht und ergreifend nicht stimmt.
Dasselbe gilt auch dafür, wer das Spiel „gewinnt“. Allgemein heißt es, der „Anführer“ muss am Ende gewonnen haben. Es gibt aber eigentlich gar keinen Gewinner.
Hunde spielen verschiedene Spiele. Beim Hasenspiel läuft ein Hund weg und der andere oder auch die anderen versuchen ihn zu fangen. Beim Raufspiel knufft man sich gegenseitig, probt den Kampf ohne sich zu verletzen. Und beim Objektspiel behält am Ende der das Spielzeug, der den längeren Atem hat. Wer keine Lust mehr hat, der hört auf. Deswegen ist er nicht „niedriger gestellt“.
Sehr schön ist auch die Vorstellung, der Hund müsse hinter einem laufen, weil der Chef die Gruppe immer anführt. Betrachtet man eine Hundemutter, so sieht man die Hündin und ein Gewusel von Welpen um sie herum. Da gibt es solche, die mutig nach vorne flitzen und solche, die ängstlich hinten bleiben. Es ist völlig egal, wo sie laufen, die Mutter ist der führende Mittelpunkt. Das gilt auch bei Erwachsenen. Gerade in Wolfsrudeln wurde immer wieder beobachtet, dass das Alphapaar die Gruppe von der Mitte her lenkt und der Rest des Rudels sich um sie herum verteilt, immer darauf achtend, welche Richtung das Alphapaar einschlagen wird. Es ist also nur natürlich, dass der Hund vor und zurück läuft und sich trotzdem an seinem Halter orientiert.
Wir sind nicht beim Militär. Ein Wolfs- bzw. Hunderudel ist eine Familie. Natürlich bekommt da auch mal jemand eins drübergehauen, aber ich habe bisher in keinem funktionierenden Sozialgefüge erlebt, dass einer wirklich schwer verletzt wurde. Selbst der Schnauzgriff ist beinahe liebevoll, ein Auf-der-Schnauze-Rumkauen des Ranghöheren.
Ich werde am Wochenende, wenn auch Samu endlich ausgeschlafen hat, was meist so gegen 11.00 Uhr ist, mit einem gezielten Pfotenschlag (mir ist rätselhaft, wie er diese Bewegung schafft) ins Gesicht geweckt. Deswegen glaubt Samu nicht, er sei mein Chef.
Gerät der Hund in eine Lebenssituation, in der er das Gefühl hat, dass seine Entscheidungen besser sind als die seines Menschen, dann hat man verloren. Dann hat man einen überforderten Hund, der darum bemüht ist seine Familie zu kontrollieren, die ihn aber leider nicht versteht und dann auch noch anders handelt als er es für richtig hält.
Ein guter Anführer ist jemand, der in jeder Situation sofort weiß, was zu tun ist. Er strahlt Ruhe aus, er trifft Entscheidungen binnen Sekunden und er sorgt dafür, dass es jedem Rudelmitglied gut geht. Seine Entscheidungen werden nicht infrage gestellt.
Es tut mir also irgendwie leid sagen zu müssen, dass es keine „festen Regeln“ für den Menschen gibt, die er auswendig lernen und bei seinem Hund anwenden kann. Er kann kein Rezept benutzen, sondern muss schlicht und ergreifend charakterlich so gebaut sein, dass er als Chef anerkannt wird. Also, viel Spaß dabei, schlauer zu sein als euer Hund.
9.10.11 21:36
 


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